Kulturdimensionen - was ist das?

Das Konzept der Kulturdimensionen basiert auf der grundlegenden Idee, dass es universelle Kategorien oder Themen gibt, mit denen sich alle Kulturen dieser Welt auseinandersetzen und für die sie Antworten entwickeln müssen. Ähnlich wie die Begriffsdefinition von Kultur, gibt es auch für die kulturelle Dimension mehrere Definitionen. Hier werden die Definitionen von den bekanntesten Wissenschaftlern Geert Hofstede, Edwart T. Hall und Fons Trompenaars herangezogen. Hier ist aber in der Praxis jede Führungsperson gefordert, eigene, für sich selbst weitere Dimensionen zu finden neue Kategorien zu erstellen.
Bei all dieser Betrachtung ergibt sich aber ein Relationsproblem, dass man ab einem Beispiel sehr gut veranschaulichen kann. Stellen wir uns vor, ein in Japan arbeitender deutscher Manager erhält nach einer gewissen Zeit den Eindruck, das in der japanischen Geschäftswelt sehr starre Hierarchien und sehr autoritäre Beziehungsverhältnisse zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern vorherrschen. Er käme dann möglicherweise zu der Erkenntnis, dass „autoritäre Hierarchie“ ein Kulturstandard sei, während er sich selbst aufgrund dieser Erfahrung ein eher „kollegiales Hierarchieverhältnis“ zuschreibt.Individualität versus Kollektivismus
Nun stellen wir uns vor, er sammelt Erfahrungen mit dänischen und französischen Geschäftskollegen und würde sein erstes Urteil dahingehend modifizieren, dass im Vergleich zu den Franzosen die Japaner ein durchaus kollegiales Hierarchieverständnis besitzen, während er sich selbst im Vergleich zu den Dänen weitaus autoritärer einschätzt als zunächst über sich selbst gedacht. Das heisst, der deutsche Manager kommt zu dem Schluss, der der „Umgang mit hierarchischen Beziehungsverhältnissen“ eine grundlegende Kulturdimension mit Extrempolen „sehr autoritär“ und „sehr kollegial“ ist, entlang derer sich alle Kulturen lokalisieren lassen.
Individualität versus Kollektivismus
Und genau so müssen als an einer Kulturdimension andere Kulturen gemessen und wie an einer X-Achse nacheinander eingereiht werden nach der Intensität der Kulturdimension. Daher ist eine Kulturbewertung immer in Relation zu setzen zu einer anderen Kultur in Bezug auf eine Dimension.

 

 

 

Folgende Dimensionen werden in der überwiegend diskutiert:
Machtdistanz = in welchem Ausmaß werden ungleiche Machtverhältnisse in einer Kultur akzeptiert werden. Individualismus/Kollektivismus = nehmen sich die Mitglieder eher als Individuum wahr und versuchen persönliche, individuelle Ziele zu erreichen („Ich“) oder nehmen sie sich als ein Teil eines sozialen Beziehungsgefüges wahr und fühlen sich primär diesem verpflichtet („einer für alle“).
Unsicherheitsvermeidung = inwieweit Risiken und Ängste minimiert oder Unsicherheiten und Fehler in Kauf genommen?

Maskulinität/Feminität = inwieweit wird eine klare Rolle zwischen den Geschlechtern formuliert (maskulin), wobei die männliche Rolle durch Leistungsstreben, Durchsetzungsvermögen, Dominanz und materielles Streben geprägt ist, hingegen die weibliche Rolle von Fürsorglichkeit, Bescheidenheit, Unterordnung und Warmherzigkeit. In femininen Kulturen werden die Geschlechterrollen nicht durch klar bestimmte Merkmale definiert.

Langzeitorientierung = inwieweit langfristiges Denken und Handeln wertgeschätzt wird und Tradition groß geschrieben wird; oder aber eben nicht und „was heute passiert, kann schon morgen Schnee von gestern sein“.
Bei der Kommunikation unterscheidet man zwischen low-Context und high-Context Kommunikation. Der entsprechend Adjektiv beschreibt lediglich das Ausmaß, in dem beim Kommunizieren der nichtsprachliche Kontext der jeweiligen Situation in ein Gespräch einbezogen wird.

Neutrale / affektiv = in welchem Ausmaß ist der Ausdruck starker Gefühle in öffentlichen Situationen üblich? In neutralen Dimensionen ist man bemüht, Gefühle in öffentlichen Situationen weitgehend unter Kontrolle zu halten und bei Verhandlungen möglichst auf Sachargument zurückzugreifen. Bei affektiven Kulturen ist der Ausdruck spontaner Gefühle sozial akzeptiert, ein „auf den Tisch hauen“ wird toleriert.

Spezifisch /diffus = hier wird gemessen, in welcher Weise in einer Kultur anderen Menschen Zugang zur eigenen Person gewährt wird. In spezifisch orientierten Kulturen ist es üblich, dass Menschen nur und ausschließlich in bestimmten Lebensbereichen begegnen, z.B. am Arbeitsplatz, im Sportverein, im Elternbeirat der Schule. In diffusen Kulturen gewährt man dagegen Menschen, die eine bestimmte Schwelle der Bekanntheit überschritten haben, einen umfassenden Zugang zu allen Lebensbereichen.

Errungener Status / Zugeschriebener Status = hier lässt sich abbilden, wodurch man in einer Kultur gesellschaftlichen Status erhält; entweder durch persönliche Leistung, die man im Laufe seines Lebens durch Arbeit und Training erzielt hat (berufliche oder sportliche Erfolge) oder der Status wird zugeschrieben aufgrund von Merkmalen, die einem durch Geburt oder gesellschaftliche Umstände zu eigen sind (wie z.B. Geschlecht, Alter, Titel, soziale Schichtzugehörigkeit).

Vorerst soweit zu den wissenschaftlich diskutierten Kulturdimensionen, die in der Messung der Kultur auch in der Praxis verwendet werden. Für Führungspersonen macht es Sinn, die jeweiligen Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen Kulturen hier näher zu bestimmen.

Individualität versus Kollektivismus

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